UO-Freeshards erfreuen sich trotz technischer Betagtheit immer noch einer gewissen Beliebtheit. Wir riskieren einen Blick auf einen der besonders hartnäckigen Sorte.
Echte Rollenspieler hatten es nie besonders leicht. Im öffentlichen Bewusstsein, irgendwo angesiedelt zwischen kreativem Sexualpraktiker und Kettenhemd-bewehrtem Waldbewohner, fristet er auch im
MMOG-Universum eher ein Schattendasein. Wer bei der Jagd nach Exp und Items keinen Spaß empfindet und der Meinung ist, dass
Rollenspiel-untypisches Verhalten die Atmosphäre zerstört, wird an WoW und Konsorten wenig Freude haben. Abhilfe schaffen von Spielern betriebene Freeshards, bei denen
Rollenspiel nicht nur im Vordergrund steht, sondern Grundvoraussetzung für das Spiel ist. Ein solcher Shard ist Siebenwind. Basierend auf der Ultima-Online-Engine, ist er aus technischer Sicht mehr als überholt, für alle, die sich wahre Rollenspieler nennen, dennoch interessant.

Eine Messe zu Ehren einer hiesigen Gottheit. Übermäßiger Glaubenseifer, Intrigenspiel und Volksverhetzung inklusive.

Der Einstieg ist allerdings nicht so einfach, denn vor der Ankunft auf der Insel Siebenwind steht die Vereinnahmung etlicher Seiten Hintergrundwissen. Und Hintergrundmaterial gibt es hier wirklich eine ganze Menge. Angefangen bei den diversen Rassen- und Götterhintergründen, bis hin zu den verschiedenen Persönlichkeiten der IG-Welt. Dass man vieles davon wirklich wissen muss, merkt man spätestens bei der Charaktererstellung. Denn auf Siebenwind gilt: Kein Charakter ohne Vorgeschichte. Die soll mindestens 3000 Zeichen lang sein und quasi das bisherige Leben des Charakters beschreiben. Sie soll den Nachweis erbringen, dass der Spieler den Hintergrund ausreichend kennt. Tut er das nämlich nicht, so wird der Charakter einfach vom Bearbeiter zurückgestellt, und man darf es noch einmal versuchen. Glücklicherweise gibt es für Lesefaule auch Leitfäden und Anleitungen, die den Stoff in Kürze wiedergeben.
Sobald man freigeschaltet ist, darf man seinen Pixelhaufen erstmals über den Bildschirm schieben. Und sofort wird man mit dem wohl größten Manko der Uralt-Engine konfrontiert: der Grafik. Die ist nämlich

schlecht, richtig schlecht: 2D-Bitmaps, miese Auflösung und sehr spartanische Animationen. Kein Wunder bei all den Jahren, die sie bereits auf dem Buckel hat ... Die Hintergrundmusik macht auch nicht viel her und lädt hauptsächlich zum Abschalten ein. Da es für die äußerliche individuelle Gestaltung des Charakters aus technischen Gründen kaum Spielraum gibt, darf solcherlei in Textform im Charakterprofil hinterlegt werden. Das muss kein Nachteil sein, bietet diese Form doch die Möglichkeit, seinen Charakter darzustellen wie es keine Software vermag. Solange man sich dabei im Rahmen der rollenspielerischen Freiheit bewegt, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt - von Melonenbrüsten bis Eiterbeulen ist alles möglich.
So ausgestattet darf man nun seinen rassen- bzw. klassenspezifischen Tätigkeiten nachgehen. Die Orken ärgern die Elfen, Krieger plätten ein paar Monster oder sich gegenseitig, und die Diebe leiern den Leuten das Gold aus den Taschen. Dies alles geschieht vor dem Hintergrund, dass das Hauptaugenmerk auf RP statt der Engine liegt. Ein Dieb muss ja nicht seine Skills einsetzen, um einen Diebstahl zu versuchen, sondern kann das Ganze einfach emoten. Das Opfer ist verpflichtet, darauf einzugehen, und je nachdem, wie originell der Dieb dabei vorgeht, wird der Geschröpfte für die ihm gelieferte Show ein wenig "spenden". Dieses Beispiel macht das Konzept Siebenwinds deutlich: obwohl Täter und Opfer gegensätzliche Rollen spielen, wird doch mit- statt gegeneinander gespielt. Erst die Bereitschaft der Spieler dazu macht das
Rollenspiel möglich.

Buntes Treiben auf dem Markt in Vänskapp. Ein Spaß für die ganze Familie, sofern man mit dem regionalen Dialekt klar kommt.

Events gibt es auf Siebenwind natürlich auch. Und zwar hauptsächlich in Form der Schicksal entscheidenden Plotevents. Diese treiben eine mehr oder weniger komplexe, vom Staff gesteuerte Hintergrundstory voran, die durchaus abwechslungsreich ist und vom Blumensterben bis zum Dämonenkrieg alles bietet. Das Eventteam steht dem unterhaltungslüsternden Spieler aber auch für individuelle Schand- und Wohltaten zur Seite. Dauerhaft sterben kann man dabei allerdings nicht, da es wöchentlich neue Leben gibt. Dieses Konzept schränkt natürlich auch ein: so ist der Shard voll von arbeitslosen Attentätern. Wer Ultima Online kennt, dem wird auffallen, dass der Siebenwind-Client mit dem Original-UO-Client wenig gemeinsam hat. Er wurde komplett ins Deutsche übersetzt, viele Skills wurden abgeschafft, und neue sind hinzu gekommen. Regelmäßig werden Updates in Form von neuen Items, Mapveränderungen und Skillanpassungen bereit gestellt. Die Insel Siebenwind selbst ist allerdings nicht sonderlich groß, die Karte nimmt nur den Bruchteil der Größe der ursprünglichen UO-Map ein.
Rassen- und klassentechnisch sind sämtliche Schubladen vorhanden. Vom naturliebenden Elf bis hin zum ewig besoffenen Zwerg wird man alles finden. Eine Besonderheit bildet die Rasse der Myten: emotionslose Wesen, die mit Hilfe von Telepathie kommunizieren und quasi eine Art Borg im Fantasy-Gewand darstellen. Eine weitere Besonderheit dieses Shards ist die relative Schwierigkeit, selbst einfachsten Items habhaft zu werden. Während auf anderen Shards das Essen einfach gespawnt wird und man es nur aufsammelt, muss man sich in Siebenwind auf den Markt stellen und einen Händler suchen. Besondere Attribut verändernde Items werden - wenn überhaupt - nur RP-lastigen Klassen oder Rassen zur Verfügung gestellt und stellen eine Belohnung für gutes RP dar: Eine Praxis, die nicht jedem schmeckt, aber dafür sorgt, dass das RP-Niveau nicht abrutscht.Insgesamt lohnt sich für reine Rollenspieler ein Blick auf diesen Shard, zumal er kostenfrei ist. Grafikfetischisten sollten aber einen großen Bogen darum machen - für sie ist hier nix zu holen.
07.07.2008 - 09:12 Uhr Ghaleon
unbedingt alt, zumindest hat man in UO weitaus mehr
Möglichkeiten als in vielen anderen Spielen."
Da hast du recht I-HaTeD2. Ich finde die Grafik von Uo
übirgens auch immer noch hübsch. Wenn Uo nicht unter
einem so großen Spielermangel leiden würde (Freeshards)
bräuchte ich auch kein anderes Spiel.
05.07.2008 - 20:12 Uhr I-HaTeD2
wurde es zwei mal abgelehnt aber mir wurde auch gesagt
was fehlt oder was nicht so gut war. Dabei habe ich
keine besonderen RP Erfahrungen gehabt auch wenn ich
kein totaler Newbie bin, man sollte jedenfalls nicht
versuchen sich als den ultimativen Held oder so
darzustellen.
Was mich etwas wundert ist das man im Forum nix zu
Freeshards zu UO äußern darf da angeblich Illegal (was
sie nicht sind) und wieso ihr die Grafik als richtig
schlecht betitelt. Die Grafik mag natürlich alt sein
aber das bedeutet nicht das sie schlecht ist, ich finde
sie sogar sehr liebevoll und stimmig gestaltet und
kenne genug 3D Spiele die einfach furchtbar aussehen.
Technisch ist das Spiel in vielen Dingen auch nicht
unbedingt alt, zumindest hat man in UO weitaus mehr
Möglichkeiten als in vielen anderen Spielen.
An sich sind die Leute auf dem Shard sehr nett aber es
hat sich wohl auch da einiges getan so das auf der
Newbieinsel RP Technisch mehr los ist und viele sich
dafür extra einen neuen Char erstellt haben weil sie
nicht weiter auf dem Festland spielen wollten.
Nach Jahren bietet UO aber natürlich auch nix mehr, im
Grunde kennt man alles. Deswegen warte ich bis heute
immer noch auf einen würdigen Nachfolger, derzeit haben
die meisten wohl ihre Hoffnung in Darkfall gesetzt.
05.07.2008 - 11:11 Uhr Ghaleon
begeisterung da, die sich einem bietet, wenn man sich
auf so eine Rollenspielwelt einlässt. Anders als bei
massentauglichen spielen wie wow etc. zählt bei diesem
spiel das rollenspiel über alles.
Das Spielerlebnis ist so intensiv, dass ich bis heute
nichts mehr dergleichen erlebt habe. Mehr zum teil
einer großen Geschichte zu werden, ein reich aufbauen
können und geehrt oder verhasst sein kann man nur noch
in Live-Rollenspiele oder als Schriftsteller ;-) .
Da Siebenwind einer der ersten Freeshards überhaupt war
mit einer größeren Veränderung in der Engine hat dieser
selbstverständlich eine besondere Stellung. Es gibt
aber auch noch viele andere sehr gute Freeshards.
Schade und nicht änderbar ist, dass die Zeit von Uo
absolut beendet ist und kein Wachstum an Spielern mehr
kommt. Unter dem Spielermangel leidet dann auch auf
vielen "Shards" (=Uo bezeichnung für Server) das
Rollenspiel, den ohne genügend Spieler kann man die
Kulturen im Spiel nicht richtig ausleben.
Ein gewisses Problem bei Shards die so lange bestehen
wie Siebenwind, ist dass man episch darin kaum noch
platz nehmen kann. Auch das Lesen der Serverstory ist
nur ein Bruchteil der Geschichte innerhalb des Servers.
@Tadian, die Bewerbung ist eine meiner Meinung nach
dumme Hürde, sie soll zwar Qualität sichern... aber man
wird nicht als rollenspieler geboren und viele sind
lernfähig. Einige der herausragendsten rollenspieler
waren voher diablo 2 zocker die nur leveln kannten etc.
Versuchs doch auf einem anderen ^^
Gruß Ghal
03.07.2008 - 17:49 Uhr Tadian
bewerben, der erste Versuch mit einer jahrelang
gewachsenen Geschichte zu meinem Charakter, die war
denen zu 08/15... naja.
Nochmal und nochmal versucht... abgelehnt.
Ich weiß nicht was dieser elitäre Misthaufen erwartet,
wohl zu viel für einen RPler der auch noch was anderes
im Kopf hat als RP und epische Hintergrundgeschichten.
Der Versucht ist nun auch schon ein paar Jährchen her
und vielleicht hat sich der Staff etwas verändert, für
mich ist dieser Shard jedoch gestorben.