Rocken bis der Arzt kommt, weil einem das Handgelenk schmerzt. OK, so einfach lässt sich Guitar Hero On Tour für Nintendo DS dann doch nicht zusammenfassen, aber es ist oftmals der letzte Gedanke nach einer Session mit diesem Rhythmusgame, das nicht mehr so ganz in die Westentasche passt.
Worin liegt eigentlich der besondere Vorteil eines Spiele-Handhelds? Richtig, man kann ihn ohne große Mühen überall hin mitnehmen, um unabhängig von Stromnetz und anderem Ballast ein Ründchen zu zocken. Unterwegs ist weniger also oft mehr. Umso überzeugender muss der Spielwert sein, wenn man gezwungen wird, doch mehr als nur das Gerät und ein paar Module mit in die Tasche zu packen.

Der Aufsatz wird in den GBA-Slot des Nintendo DS geschoben. Wer ein altes DS-Modell hat, muss vorher einen Adapter anschrauben.
Guitar Hero On Tour versucht sich an dieser Herausforderung, denn dem kleinen
Nintendo-DS-Modul liegt eine Plastik-Schiene bei, auf der vier kleine Buttons eingelassen wurden, wie man sie von den Guitar-Hero-Plastikgitarren kennt. Von außen über den Gameboy-Advance-Schacht eingesteckt, dienen sie als virtuelles Griffbrett für das Rhythmusspielschema, das so ziemlich jedem mittlerweile bekannt sein dürfte. Ohne diese Peripherie ist Guitar Hero On Tour allerdings nicht spielbar, was Handheldgamer vor die erste Entscheidungsfrage stellt: Habe ich denn unterwegs überhaupt Platz dafür? Solange er sich passgerecht um das
Nintendo DS schmiegt, scheint der Aufsatz kaum zu stören. Wollt ihr hingegen ein anderes Game einlegen bzw. den Aufsatz abnehmen, solltet ihr noch einmal Stauraum in Größe des
Nintendo DS parat haben - und das wollt ihr irgendwann garantiert, denn beim Spielen anderer Titel stört die

fehlende Ergonomie des Aufsatzes.
Der beste Grund, sich dieses Musikspiel trotzdem zuzulegen, soll natürlich das auf kleinsten Raum geschrumpfte Guitar-Hero-Erlebnis sein, das schon in unserem Preview einen faden Beigeschmack hinterließ. Nach wie vor bereitet der Aufsatz jedoch schon genügend Probleme, wenn man versucht, ihn für das zu benutzen, wofür er eigentlich gemacht wurde. Mit dem in Buchform aufgeschlagenen
Nintendo DS in der Hand, das mehr oder weniger stabil über eine Handschlaufe fixiert wurde, schrubbelt es sich einfach nicht besonders komfortabel. Zumal das authentischste Gitarrengimmick noch der plektrumähnliche Stylus ist, mit dem ihr die virtuellen Saiten eurer auf dem Touchscreen visualisierten Gitarre anschlagt.

Die Saiten der Gitarre schlagt ihr über den Touchscreen an. Auch der Whammy-Bügel ist einsatzbereit.
Schon die richtige Position zum Spielen einzunehmen ist eine kleine Herausforderung. Ob man steht, liegt oder sitzt - nie ist es wirklich bequem, die Frets zu bedienen, während man gleichzeitig auf dem Touchscreen versucht, die auf der linken Bildschirmhälfte angezeigten Symbole zur rechten Zeit zu aktivieren. Im Stehen, mit dem DS an den Bauch gepresst oder wacklig zwischen Ring- und kleinem Finger der Stylushand gehalten, schmerzt schon bald das Ellbogengelenk samt Oberarm. Sitzt ihr hingegen und stützt den Arm mit einer Tischoberfläche ab, zieht es schon nach einer halben Stunde im Handgelenk. Ist ja schön, dass man noch vor dem Titelbild darauf hingewiesen wird, in solchen Fällen eine Pause einzulegen. Mit dem Wissen, dass solche Schmerzen auftreten können, hätte den Entwicklern aber vielleicht auch das Lichtlein aufgehen können, dass das Konzept nicht so gut aufgeht wie man es sich versprochen hat.
Was man den Machern zugute halten kann, ist, dass sie zumindest handheldtaugliche Songs ausgewählt haben, bei denen ihr eure Gelenke nicht in ausladenden Solopassagen krankenhausreif juckelt. Schon die wenigen Soli, die enthalten sind, lassen sich nur unter höchster Konzentration sauber herunterspielen, da der Touchscreen kein Feedback für den Anschlag gibt. Glücklicherweise setzt GH On Tour hierbei viel auf Hammer-Ons und Pull-Offs. Das flüssige Hin- und Herschrubben in den massig vertretenen rhythmischen Akkord-Passagen klappt dagegen hervorragend, sorgt aber hin und wieder für spielerische Durststrecken.
Am Spielsystem liegt es jedenfalls nicht, dass der Funke bei Guitar Hero On Tour nicht so recht überspringen will. Das ist nämlich so unverwüstlich wie eh und je, auch wenn es um den fünften Frettbutton beschnitten wurde. Die minimalen Unterschiede wie z.B. die Bedienung des Whammys über den Touchscreen oder das Auslösen der Starpower durch einen Schrei ins Mikro - wahlweise darf man auch pusten - fällt kaum ins Gewicht. Dabei sollte man aber auch in Betracht ziehen, dass am einfach Abschrubbeln von Tastenkombinationen kein weltbewegendes Konzept hängt, das man zerstören könnte. Und so scheiden sich die Geister. Wer Guitar Hero schon immer als "Senso mit Musikuntermalung" empfunden hat, wird im mobilen Ableger spielerisch keine Unterschiede feststellen. Musikgamer, die neben der Herausforderung in Sachen Hand-Augen-Koordination noch die Musiker-Illusion und das genreübliche Posieren ausleben wollen, sind bei "On Tour" dagegen an der falschen Adresse.