Sebastian Thor Wie EA einige dieser Dialoge absegnen konnte, bleibt mir schleierhaft. Aber wer sich von den prolligen Platitüden nicht abschrecken lässt und das Niveau gleich zu Beginn nach unten kurbelt, wird mit einer zwölfstündigen Solokampagne belohnt, die mit ihrer offenen Welt, mit ansehnlicher und rudimentär zerstörbarer Kulisse punkten kann.
Wie fies! Da halten PC-Spieler Battlefield jahrelang die Treue, und dann kommt dieses interessante Bad Company nur für Konsole. Wer jetzt vor allem an ganz dollen Multiplayer-Krach mit ganz vielen menschlichen Gegnern denkt, liegt ganz weit daneben. Na gut, es gibt auch hier einen Mehrspielerpart, aber zugunsten einer chaotischen Solokampagne wurde dieser aufs Nötigste reduziert. Und keine Angst: Auch die kann richtig gut unterhalten. Zumindest meistens.
Ihr könnt den Knallköppen übrigens keine taktischen Befehle geben, sie nicht durch die Gegend scheuchen. Sie tragen keine Kratzer davon, stehen kurz nach dem Ableben wieder putzmunter zum Gefecht bereit. Dieses Trio dackelt stets artig hinter euch her, geht in Deckung, greift aber leider nur zaghaft in den Kampf ein. Vor allem im größten Radau, wenn Explosionen in die Luft züngeln und aus allen Ecken die bleihaltigen Grußkarten geflogen kommen, wäre so eine Hilfe sehr wertvoll gewesen. Das Gröbste bleibt wie immer an euch hängen, nur ganz selten kommt es mal vor, dass euch die Kollegen vor dem Ladebildschirm bewahren.
Die Aussicht auf eine kleine Zerstörungsorgie ist einfach zu verlockend ...
Das liegt unter anderem auch daran, dass es kaum taktische Möglichkeiten gibt, die Umgebung als Deckung zu nutzen. Obwohl es das Leveldesign oft hergibt, könnt ihr euch zum Beispiel nicht an
Mauern pressen. Dieses sekundenschnelle Um-die-Ecke-Preschen, diese letzten paar lebensrettenden Salven, die man zum Beispiel aus RS: Vegas kennt, vermisst man hier hin und wieder. Da ihr lediglich maximal zwei Waffen zur gleichen Zeit schleppen könnt, müsst ihr immer drauf achten, das richtige Kaliber für die jeweilige Situation im Gepäck zu haben. Aber keine Angst: Sobald ein feindlicher Panzer die Stille durchbricht, findet man meist irgendwo einen Raketenwerfer, der Abhilfe schafft. Darüber hinaus gibt's natürlich die üblichen Maschinen-, Scharfschützengewehre, eine Schrotflinte, Granaten und sogar ein Messer für den Nahkampf. Man kann ja nie wissen ...
Auch robuste Wände können schnell zerfetzt werden. Das war's dann also mit der Deckung...
Räumlich ist Bad Company offener, weiter und somit auf lange Sicht interessanter als viele Shooter-Kollegen. Enge Levelschläuche gibt's hier nicht. Dafür protzt die Kulisse wie in S.T.A.L.K.E.R. mit ausladenden Feldern, Wiesen, Hügeln und befestigten Straßen. Wie ihr die rote Missionsmarkierung erreicht, die man dank der unteren Minikarte stets im Blick hat, diktiert euch niemand auf. Ihr könntet euch zu Fuß durchs Unterholz schlagen, könntet brav dem offensichtlichsten Pfad folgen oder euch einfach ein Vehikel unter den Hintern klemmen. Die steuern sich je nach Typ mal behäbig, mal direkt, können Zäune durchbrechen, unvorsichtige Feinde überrollen oder von einer feindlichen Rakete in den Ruhestand geschickt werden. Zum Glück habt ihr den ultimativen technischen Schnickschnack in der Tasche, der euren fahrbaren Untersatz wieder flott macht, sollte er nach einer Schießerei fast in sich zusammenfallen. Bad Company riecht fast nach Just Cause, wenn man in einer fliegenden Festung gleich eine ganze Hand voll Raketen auf den Weg Richtung Feind schickt oder mit dem Militärboot genau diesen Projektilen ausweicht.
Da euch DICE nicht an der straffen Shooter-Leine Gassi führt, liegt der Reiz vor allem darin, möglichst clever den Brennpunkt zu erreichen und wenn möglich das Überraschungsmoment zu nutzen. Prescht ihr vorwitzig mit dem Jeep durch die Vordertür? Schlagt ihr einen Bogen und stürmt die Basis von der Seite? Oder lasst ihr schon von weitem ein bombensicheres Gewitter aufs Ziel los? Sollten euch dabei Gebäude oder Mauern den Weg versperren, ist das übrigens kein Problem. Denn dank der Frostbite-Engine lassen sich Häuserfassaden mit etwas Sprengkraft einfach in die Luft jagen. Zwar erwartet euch kein echtes dynamisches System; es gibt nur vorgesehene Sollbruch-Stellen. Aber es sieht einfach unheimlich pompös aus, wenn Pfannen aus dem Dach gerissen werden, wenn ganze Wände stöhnend wegbrechen oder Funkmasten wie Streichhölzer umknicken. Schade ist, dass DICE in diesem Bereich nicht konsequent genug war. Zwar könnt ihr Gegnern in null Komma nichts die Deckung rauben, hölzerne Zäune mit einem Fahrzeug zerfetzen und sogar Bäume abholzen. Aber schon eine Sekunde später kann es passieren, dass selbst bollernde Stahlschweine an kleinsten Hindernissen scheitern. Was nicht zuletzt auch der etwas schwammigen Panzersteuerung geschuldet ist ...