Sebastian Thor Wie EA einige dieser Dialoge absegnen konnte, bleibt mir schleierhaft. Aber wer sich von den prolligen Platitüden nicht abschrecken lässt und das Niveau gleich zu Beginn nach unten kurbelt, wird mit einer zwölfstündigen Solokampagne belohnt, die mit ihrer offenen Welt, mit ansehnlicher und rudimentär zerstörbarer Kulisse punkten kann.
Wie fies! Da halten PC-Spieler Battlefield jahrelang die Treue, und dann kommt dieses interessante Bad Company nur für Konsole. Wer jetzt vor allem an ganz dollen Multiplayer-Krach mit ganz vielen menschlichen Gegnern denkt, liegt ganz weit daneben. Na gut, es gibt auch hier einen Mehrspielerpart, aber zugunsten einer chaotischen Solokampagne wurde dieser aufs Nötigste reduziert. Und keine Angst: Auch die kann richtig gut unterhalten. Zumindest meistens.
Die Farbpalette, die Entwickler von Kriegs-Shootern anrühren, reicht für gewöhnlich von hell- bis dunkelgrau. Ist ja auch nicht immer schlecht. Schließlich soll das Geschehen bedrückend wirken, soll die raue Schlachtfeld-Atmosphäre transportieren, die Atmung stocken lassen. Jetzt noch ein paar dunkle Wolken, die sich an den Himmel klammern, geschwärzte Kriegstrümmer und sachte einsetzender Regen - fertig ist der schnelle Zweite Weltkrieg im Konsolen- oder PC-Format. Dass es auch erfrischend anders geht, zeigt Battlefield: Bad Company. Die ersten Einsätze fangen das verträumte Flair spätsommerlicher Landstriche ein, durchzogen von Flussläufen, umgeben von Bäumen, entspannt im Abendrot.
Denkt euch einfach die Waffen und den Stacheldraht weg. Sieht doch gleich ganz gemütlich aus, oder?
Diese Landschaft lockt zunächst mit Aussichten der Marke Oblivion light, mit angenehmer Sichtweite, hügeligen Ebenen, weiten Feldern, kleinen Wäldchen und lauschigen Lichtungen. Alles eine Nummer kleiner, weniger Pomp als in Bethesdas Fantasykiste. Aber als Abenteurer will ich diese Welt trotz des übertrieben krisseligen Grafikfilters mit Schwert und Schild erkunden, will knisternde Dungeons durchstreifen, mich in Dialogen und verwinkelten Quests verlieren. So gern ich auch den Harnisch schnüren, den Bogen spannen möchte, so sehr das Abenteurerherz klopft - das ist ein
Shooter! Und zwar einer, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern sogar mit einem unterhaltsamen Einzelspielermodus bestückt wurde.
Herrlich erquickend ist die Story, die euch nicht in die Rolle des kriegsstrahlenden Recken, sondern in die eines Außenseiters verschlägt. Als Preston Marlow seid ihr kein spurender, stets artig Gewehr bei Fuß salutierender Soldat; vielmehr seid ihr Mitglied der namensgebenden B-Kompanie. Die heißt aber nicht so, weil ihre Mitglieder rabiate Bluthunde sind, die Feuer speiende Grizzlybären mit bloßen Zähnen bis aufs Knochenmark zerreißen. Diese Ansammlung abgehangener Verlierer ist nichts weiter als der Bodensatz des Militärs, dazu verdonnert, die absolut niedersten Aufträge abzuklappern. Aus dem Kriegstreiben wird im Laufe der Story schnell der beharrliche Lockruf des Reichtums, dem eure aus vier Chaoten bestehende Truppe natürlich folgt. Der Kampf gegen die russische Armee schlägt bald in eine Jagd nach den Goldvorräten windiger Söldner um. Mit diesem Ziel vor Augen macht sich das ungleiche Gespann auf den Weg durch eine rund zwölfstündige Kampagne, um sich die funkelnden Barren unter die stinkenden Nägel zu reißen.
In den Levels sind jede Menge Goldkisten versteckt, die euch die obligatorischen Achievements bescheren.
Schon nach den ersten Minuten im Solomodus merkt man, wie viel Mühe sich DICE gemacht hat, um eine lebendige Stimmung innerhalb der Gruppe einzufangen. Zwischen den Missionszielen gibt es immer wieder Dialoge, in denen eure Begleiter als Schauspieler einige interessante Ansätze erkennen lassen. Sie raunen, zicken herum, fahren sich süffisant über den Mund oder reißen Witze übereinander. Sie sticheln, spotten oder spielen Schere-Stein-Papier, um sich abzulenken. Schade ist nur, dass man es in letzter Instanz versäumt hat, aus ihnen echte Charakterköpfe zu machen. Zwar gehören die Sprecher eindeutig in die professionelle Schublade und leisten selbst in der deutschen Version stimmlich einen guten Job. Aber spätestens wenn das Zusammenspiel von Skripten und Dialogregie mal wieder unterirdische Dimensionen erreicht, bröckelt die Fassade. Da fahre ich mit meinem Team in einem Fahrzeug Richtung Missionsziel. Plötzlich brummt ein dicker Helikopter durch den Himmel, mein Kollege am stationären Geschütz schluchzt so etwas wie "Bitte mach, dass er uns nicht gesehen hat." Und eine Sekunde später beginnt der gleiche Kerl aus allen Rohren ins Unterholz zu feuern.
Lustig ist auch die Szene, als wir zu viert ein russisches Lager stürmen. Die Gegner eröffnen das Feuer, wir erwidern den Gruß. Kurz darauf stellt eine der Leuchten hinter mir doch tatsächlich fest: "Ich glaube, die haben Maschinengewehre." Verdammt, dem macht keiner so schnell was vor! Und wenn einer der Jungs mitten im projektilverhangenen Gefecht plötzlich "Ich glaub, die Russen kommen" krakeelt, dann hat das fast schon satirische Qualitäten. Auch später kollidiert man immer wieder vereinzelt mit ultra-prolligen Kommentaren, die mit "Ich muss sowieso mal den Jürgen würgen" ihren peinlichen Höhepunkt erreichen. Äh ... hallo!? Schon klar, dass Bad Company gar keine ernsten Töne anschlagen will. Aber muss es denn unbedingt Atze-Schröder-Niveau sein? Gerade weil es um möglichst viele Dialoge bemüht ist, vermisst man hin und wieder wenigstens ein paar feine, freche Nuancen abseits der plumpen Plattitüden. Nun ja, selbst die können noch unterhalten. Schraubt am besten das Niveau runter und los geht's...