Peter Schmidt Geheimakte Tunguska ist Oldschool-Tüfteln auf ganz hohem Niveau. Mal einfache, mal schwere, mal seriöse, mal verrückte, aber zu jeder Zeit faire Rätsel lassen das Adventure zu einem Hochgenuss für Fans des Genres werden. Wer die PC-Version verpasst hat, sollte diesen Fehler kein zweites Mal begehen.
Gehört ihr zu denen, die das Spiel schon vor zwei Jahren aufgesaugt haben oder seid ihr noch Geheimakte-Jungfrauen? So oder so solltet ihr weiterlesen. Entweder, um eine wunderschöne Rätselerfahrung Revue passieren zu lassen oder euch den letzten Funken Überzeugung abzuholen. Dieses Adventure-Meisterwerk sollte in keiner Spielesammlung fehlen.
Mindestens genau so schön ist, dass euch so viel Abwechslung geboten wird. Zum einen hinsichtlich der Schauplätze: Eure Reise beginnt in Berlin, führt euch aber im Laufe des Spiels an die verschiedensten Schauplätze der Erde, unter anderem nach Irland, Russland und Kuba. Zum anderen aber auch in Bezug auf die Rätsel. Zu Beginn dürftet ihr euch noch etwas unterfordert fühlen. Mit fortschreitendem Spielverlauf steigt aber die Schwierigkeit. Während es am Anfang noch ziemlich augenscheinlich ist, wie ihr die gegebene Problematik zu lösen habt, müsst ihr später immer häufiger über mehrere Ecken denken. Dennoch bleiben die Lösungen stets logisch nachvollziehbar, sodass ihr äußerst selten zu Trial and Error-Handlungen gezwungen seid. Der Schwierigkeitsgrad ist also fair - für Kenner des Genres vielleicht sogar ein wenig zu niedrig. Demnach fällt auch die Spielzeit aus. Erfahrene Point and Click-Adventurer dürfen sich auf ca. zehn Stunden Spielspaß freuen. Neulinge hingegen müssten sich wohl etwa 15 Stunden gedulden, ehe sie den äußerst amüsanten Abspann zu sehen bekommen. Doch nicht nur der Abspann dürfte euch den ein oder anderen Schmunzler
ins Gesicht zaubern. Wortspiele und sarkastische Bemerkungen sind bei Nina und Max an der Tagesordnung. Beispielsweise möchte Nina einen Eimer aufheben, dessen Griff daraufhin abreißt. Sie kommentiert die Szene mit "Ein Henkel, trocken".
Neben den omnipräsenten Rätseln, die ihr lösen müsst, um das Spielgeschehen voranzutreiben, gibt es noch besondere Knobelaufgaben, die nur gelegentlich auftauchen. Werdet ihr vor ein solches Rätsel gestellt, erscheint links oben auf dem Bildschirm ein Fragezeichen. Klickt ihr darauf, öffnet sich eine Hilfe, die euch einen Anhaltspunkt gibt, wie das Problem zu lösen ist. Auf diese optionale Hilfe kann in den meisten Fällen jedoch verzichtet werden. Meist stellen sich diese speziellen Rätsel in Form von Zahlenkombinationen dar, die es herauszufinden gilt.
Zwei Protagonisten, damit zwei Spieler gleichzeitig puzzeln dürfen? Leider nicht. Zwar gibt es einen Zwei-Spieler-Modus, was für ein Adventure ja ganz nett ist, diesen hätte man sich jedoch sparen können. Während der eine spielt, hat der andere auch eine Wiimote in der Hand und darf damit auf den Bildschirm pointen. Drückt man den A-Knopf, erscheint ein Ausrufezeichen unter dem Pfeil, was den "Hauptspieler" darauf hinweisen soll, die Stelle zu untersuchen. Sicherlich auch eine Form von Kommunikation, aber keine Wiimote in der Hand zu haben und den Spieler verbal auf etwas aufmerksam zu machen, stellt für mich die bessere Alternative dar.
Max und Oleg vor einem russischen Krankenhaus, das zugegebenermaßen eher an ein Geisterhaus erinnert.
Zuletzt noch ein paar Worte zur Steuerung und die Antwort auf die Frage, ob die Wiimote als kompromissloser Mausersatz dient. In punkto Präzision ja, in punkto Handhabung nein. Durch Pointen auf den Bildschirm könnt ihr den Charakter zielgenau steuern. Alternativ dazu könnt ihr ihn auch mit dem Analogstick des Nunchuks führen. Bequemer ist definitiv die erstgenannte Variante. Durch Betätigen des Steuerkreuz-Runter-Knopfes wird das Inventar aufgerufen. Das damit verbundene Umgreifen ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig und unkomfortabel. Man gewöhnt sich zwar schnell daran, aber dennoch erreicht man nicht das angenehme Handling einer Maus.Besonders hervorzuheben ist die praktische "Lupen-Funktion". Durch Betätigen des 1-Knopfes werden alle Objekte gekennzeichnet, mit denen man interagieren kann. Nerviges Abtasten aller sich auf dem Bildschirm befindenden Gegenstände wird dadurch unnötig.