Gehört ihr zu denen, die das Spiel schon vor zwei Jahren aufgesaugt haben oder seid ihr noch Geheimakte-Jungfrauen? So oder so solltet ihr weiterlesen. Entweder, um eine wunderschöne Rätselerfahrung Revue passieren zu lassen oder euch den letzten Funken Überzeugung abzuholen. Dieses Adventure-Meisterwerk sollte in keiner Spielesammlung fehlen.
1908, Tunguska-Region in Sibirien: Eine gewaltige Explosion zerstört nahezu alles, was sich im Umkreis von 30 Kilometern befindet. Einige Forscher brechen auf, um herauszufinden, was der Auslöser für dieses mysteriöse Ereignis war. Fast 100 Jahre später wird ein Wissenschaftler entführt, der an zahlreichen Expeditionen teilgenommen und sich ausgiebig mit dem Tunguska-Phänomen befasst hat. Als Tochter dieses Wissenschaftlers ist es eure Aufgabe herauszufinden, wohin man ihn verschleppt hat und wer hinter dieser Entführung steckt.
"Vater entführt, finde ihn!" Was sich zunächst nach einer eher platten Story anhört, wird im Laufe des Spiels zu einer wahnsinnig komplexen Geschichte, in die mehrere Parteien involviert sind und die sich immer wieder windet, wenn man es am wenigsten erwartet. Zudem ist die

Geschichte klasse inszeniert. Nach Absolvieren eines Spielabschnitts wird das Geschehen durch sehr schöne Rendervideos weitererzählt und die Regieführung ist besser als bei manchem Hollywood-Film. Apropos Hollywood: Die Stimmen der meisten Charaktere dürften euch bekannt vorkommen. Hier wollte man nichts falsch machen und holte sich treu der Devise "Klotzen, nicht kleckern!" gleich eine Vielzahl an bekannten Sprechern ins Boot. So erwecken beispielsweise die deutschen Stimmen von Angelina Jolie und Mark Wahlberg die Protagonisten Nina und Max zum Leben. Außerdem meine ich noch Willy Tenner von ALF, Lisa Simpson und Robert Redford erkannt zu haben. Das sind jedoch bei weitem nicht alle. Nahezu jeder Charakter klingt vertraut, auch wenn man die Stimme nicht zuordnen kann. Die wenigen Personen, die von eher unbekannten Sprechern synchronisiert wurden, hören sich jedoch nicht weniger gut an.
Doch nicht nur in punkto Synchronisation hat man erstklassige Arbeit geleistet. Auch die Musikzusammenstellung ist mehr als gelungen. Auf eine ständige musikalische Untermalung der Geschehnisse hat man jedoch verzichtet und setzt sie bewusst nur punktuell ein. Das hat Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite ist es manchmal sehr ruhig, fast schon zu ruhig. Denn vor allem, wenn man an einem Rätsel hängt, kann einen diese Stille in den Wahnsinn treiben. Auf der anderen Seite sorgt der gezielte Einsatz von musikalischen Elementen immer wieder für Atmosphäre. Außerdem vermitteln Hintergrundgeräusche sehr gut die Stimmung des jeweiligen Schauplatzes. Ob Zuglärm, Wind oder Vogelgezwitscher, man kann sich meist gut in die Szenerie hineinversetzen. Alles in allem ein wahrer Ohrenschmaus.

Ein altes Häuschen in einem sonnendurchfluteten Wald. Fast alle Schauplätze können sich so sehen lassen wie dieser.

Umso besser, dass sich Geheimakte Tunguska nicht nur hören, sondern auch sehen lassen kann. Die Grafik ist absolut überzeugend und wird ihrem Anspruch, eine realitätsnahe Darstellung der Dinge zu bieten, gerecht. Ob regnerisch, düster oder heiter bei strahlendem Sonnenschein - die Schauplätze sehen bis auf wenige Ausnahmen einfach phänomenal aus. Zudem wird auch hier nicht mit Details gegeizt. Zum Beispiel dürft ihr euch über durchs Bild flatternde Schmetterlinge oder aus Gullideckeln steigenden Dampf freuen. Einfach schön.