Sie humpeln. Stinken. Und gammeln. In Filmen sind sie seit Jahren gern gesehene Gäste, die gleich im Dutzend der Macht des Projektils zum Opfer fallen. Auch auf PC und Konsole geben sie passable Zielscheiben ab. Für Left 4 Dead greift Turtle Rock tief in die Zombiekiste, hüllt das Ganze in die Source-Engine und öffnet die Türen für einen launigen Coop-Shooter.
Es beginnt alles so vorhersehbar. So durchgekaut. Breit getreten. Fast wie in einem schlechten Hollywood-Film mit aufgezwungenem Zombie-Stempel. Oder einem kultigen George Romero-Streifen aus dem Jahr 1978, der zu oft von der Zensurschere traktiert wurde. Bei Left 4 Dead ist nichts geschnitten, zumindest nicht in der frühen Version, die uns kürzlich zur Verfügung stand.

Der erste Mai kann in Berlin ganz schön ungemütlich werden ...
Dass ein von einer Schrotflinte zerfetzter Untoter fast wie Gulasch aussieht oder man den schwerfälligen Burschen gezielt die modrigen Gelenke zersieben kann, habt ihr sicher schon gedacht. Oder? Aber,

aber. Wer wird sich denn gleich die Decke übers kreidebleiche Gesicht ziehen? Das war doch nur ein kleiner Vorgeschmack auf Left 4 Dead, das zwar nicht mit besonders intensiver Erzählweise punkten kann. Dafür aber mit markigen
Coop-Missionen, ganz viel Wumms, düsteren Schauplätzen und Action am laufenden Band.
Oder sollten wir besser "am schlurfenden Band" sagen? Denn wirklich aufrecht gehen die Menschen nicht mehr, nachdem ein unglaublich ungesunder Virus seine Sporen in ihre Blutbahnen gestreut hat. Seitdem schleppen sie ihre fauligen Körper durch diese beängstigende Welt und machen sich über jeden her, dessen Fleisch noch mit einem Hauch Menschlichkeit durchtränkt ist. Dummerweise sind das gerade mal vier Personen. Ihr und drei Freunde. Als notdürftig ausgerüstetes Quartett müsst ihr die Kammerjäger mimen. Abteilung: untotes Kruppzeug. Das nämlich wird euch vier Kampagnen lang zu schaffen machen, die jeweils in mehrere Abschnitte unterteilt sind.

Gemeinsames Vorrücken ist angesichts der Menge an Zombies keine schlechte Idee.
Obwohl Left 4 Dead nach dem gängigen Shooter-Rezept gebacken wurde, streuen die Entwickler viele kleine Survival-Horror-Streusel ein, die leichtfertigen Spielern schnell den schwachen Magen verderben könnten. Anders als im üblichen Ballerkram stolpert ihr nicht alle naselang über neue Waffen, bis zum Bersten gefüllte Munitionsdepots oder Medkits, die euch aus der Patsche helfen. All diese überlebenswichtigen Goodies findet ihr nur in speziellen Räumen vor jedem Abschnitt und an verflucht seltenen Orten innerhalb des Levels. Hier könnt ihr Munition nachfüllen und euch ein Medkit zwischen die gebrochenen Rippen schieben. Oder die rostige Schrotflinte gegen das zackige Maschinengewehr tauschen.
Das wird vor allem dann witzig, wenn alle vier Spieler aus dem letzten Loch pfeifen und der Kampf um die letzten übrig gebliebenen Bandagen entbrennt. Wenn nur noch drei Stück zu haben sind, aber alle vier Leute auf dem Zahnfleisch kriechen, muss einer von ihnen leer ausgehen. Gemein, oder? Dann geht's los. Ganz plötzlich. Die Ausgangstür gibt stöhnend den einzigen Weg frei. Und die modrige Brut sucht mit Händen und Füßen eine Möglichkeit, ins Innere zu gelangen. Schnell werdet ihr feststellen, dass es trotz eines starken Viererteams keine schlechte Idee ist, zusammen zu bleiben. Denn nicht die Stärke der Zombies, sondern ihre zahlenmäßig gnadenlose Überlegenheit sorgt für stetige Gefahr. Nein, nicht dieses süße Kribbeln, kein sublimer Nervenkitzel, der die Schweißperlen Tango tanzen lässt. Left 4 Dead ist schlicht und einfach. Aber ehrlich. Es ist "straight to the face", ohne über Minuten hinweg Spannung aufzubauen oder den Adrenalinspiegel großartig zu piesacken.
21.05.2008 - 11:54 Uhr Gnoos
16.05.2008 - 18:14 Uhr Schmidi90
Koop-Missionen, oder besser gesagt nur die! :)