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Petition gegen "unfaire" Distribution diverser Titel

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OnlineWelten: Hallo Michael, hallo Johannes. Einige unserer Leser werden euch wahrscheinlich noch nicht kennen, stellt euch doch bitte kurz und knackig vor.

Michael: Hi, ich bin Michael, auch bekannt als ,Kapitein Iglo' (das ist die niederländische Version des berühmten, bärtigen Fischstäbchenverkäufers) und lebe in Holland. Ich begeistere mich für Spiele, insbesondere die Steam-Plattform und bin der Gründer der Rest of World-Initiative.

Johannes: Hallo, die meisten werden mich eher unter dem Namen ,Jorwell' kennen. Ich wohne zurzeit in Deutschland und bin Steam-Nutzer der allerersten Stunde. In der Gruppe setze ich mich vor allem für das öffentliche Erscheinungsbild ein und sorge für das friedliche Miteinander.

OnlineWelten: Aktuell gibt es einige Spieler, die sich über die "unfaire" Distribution diverser Steam-Titel beklagen. Könnt ihr uns kurz über die Situation und die Geschehnisse aufklären?

Michael: Nun, seit Anfang des Jahres hat Valve ein beeindruckendes Aufgebot an Publishern für seine Plattform gewonnen. Die Spiele von Ubisoft, Atari, und Rockstar sind eine echte Bereicherung für Steam. Doch zu unserem Bedauern mussten wir feststellen, dass immer mehr Herausgeber ihr Angebot auf einen verhältnismäßig kleinen Teil der Erde beschränken - auf Nordamerika.

Gegenüber den Vereinigten Staaten müssen zum Beispiel deutsche Kunden auf mehr als 60 Titel verzichten. Hinzu kommen rund 30 zensierte und etliche überteuerte Angebote. Viele Nutzer importieren Spiele deshalb kostspielig aus dem Ausland, nur um sie anschließend bei Steam zu registrieren. Nach unserer Auffassung widerspricht das dem Gedanken der weltweiten Online-Distribution.

OnlineWelten: Ist es denn nicht schon fast normal, dass der US-Markt uns Europäern vorgezogen wird? Viele Features, Patches und sogar Spiele erscheinen in den Staaten wesentlich früher. Warum seid ihr grade beim Thema Steam-Distribution so aktiv?

Johannes: Ich denke, dass Steam eine viel wichtigere Rolle spielt als einigen bewusst ist. Der PC ist die größte Verkaufsplattform und Steam ist dessen größter Online-Vertrieb. Glaubt man Experten, sollen die Einnahmen aus Steam bald die des Einzelhandels übersteigen. Wir alle waren überrascht, wie rasant sich Steam in den letzten Jahren entwickelt hat.

Durch die Steam Community hat sich die Plattform zu einem sozialen Netzwerk gemausert. Anders als bei Direct2Drive, EA Link oder Gamesload besteht also eine viel engere Verbindung zwischen den Käufern und auch dem Verkäufer. Darum ist Steam uns besonders wichtig, es ist das Vorzeige-Modell der modernen Online-Distribution. Die von Valve gelegten Grundlagen werden in den nächsten Jahren das Gesicht des Online-Marktes entscheidend prägen.

OnlineWelten: Was genau habt ihr bislang als "Gegenmaßnahme" unternommen? Wie kommen eure Aktionen bei den Lesern an?

Michael: Nach Ubisofts Entscheidung ihre Titel nur in Nordamerika zu
vertreiben, dachten wir nur: "Jetzt reicht's. Das war ein Publisher zu viel." Steam ermöglicht weltweite und zeitgleiche Veröffentlichungen. Regionale Einschränkungen sind also Einschränkungen der Publisher und das verärgert nur ihre Kunden.

Um den Herausgebern charmant unseren Unmut zu zeigen, gründeten wir die Aktion ,Rest of World'. Es sollte keine der einschlägigen Petitionswebseiten werden, also wendeten wir uns an die Nutzer selbst und gründeten unsere Gruppe in Valves Steam Community. Jeder mit einem Steam Account kann beitreten, was bedeutet, dass jedes Mitglied für einen potentiellen Käufer steht.

In den ersten paar Tagen schlossen sich schon weit über 1000 Mitglieder der Aktion an, zu unserem zweimonatigem Geburtstag waren es bereits mehr als 6200. Das führte zu einem großen Echo bei den Online-Medien. Rund 60 Webseiten berichteten. Einige Seiten gingen sogar darüber hinaus und fragten direkt bei den betroffenen Publishern nach.

Johannes: Von unseren Mitgliedern und den zahlreichen unterstützenden Webseiten bekamen wir bisher nur positives Feedback. Natürlich sind einige skeptisch, ob wir es schaffen etwas zu bewirken. Wir versuchen unser Bestes, um die Publisher zu kontaktieren und sie über die Aktion zu informieren. Wenn tausende Spieler sich an so einer Aktion beteiligen, bewirkt das oft mehr als verstreute Kommentare in Foren.

OnlineWelten: Habt ihr auch schon Feedback von Publishern bekommen?

Michael: Wir waren in der Lage einige Antworten zu bekommen. Jedoch war das oft nichts weiter als ein "Kein Kommentar". Nur Ubisoft machte eine klare Aussage: "Steam wird in Nordamerika öfter benutzt und die Verkaufszahlen sind höher. Spiele über Steam anzubieten ist nicht kostenlos und deshalb beschränkt sich Ubisoft nur auf den nordamerikanischen Markt."

Johannes: Valve ist in der Beziehung natürlich offenherziger. So sagte uns kein Geringerer als Firmenchef Gabe Newell, dass man bestrebt ist, die Publisher dazu zu bewegen, möglichst viele ihrer Titel anzubieten, um so die Akzeptanz Steams zu verstärken. Valve betont auch deren Scheu vor neuen Vertriebswegen.

Eine schöne Auswahl vieler Spiele - leider nur für Nordamerika.

OnlineWelten: Auf eigene Nachfrage wurde uns leider mitgeteilt, dass die Entscheidungen bezüglich der US-Distribution von Steam nicht hier entschieden wird. Auch wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass Steam in Europa nicht so weit verbreitet sei. Versteht ihr solche Argumente? Könnte es für viele Publisher interessanter sein gängigere Download-Portale zu nutzen oder selbst solche Distributions-Wege einzuschlagen?

Johannes: Bei den Publishern herrscht eine gewisse Unsicherheit, was neue Distributionswege angeht. Betrachtet man jedoch die europäischen Verkaufszahlen, ist dieses Verhalten nicht ganz nachvollziehbar, zumal andere Plattformen längst nicht so erfolgreich sind wie Steam.

Die ISFE (Interactive Software Federation of Europe) veröffentlicht regelmäßig die Ergebnisse ihrer Forschungsprojekte. Demnach erwirtschaftet allein der europäische Software-Markt jährlich 400 Millionen Euro mehr als der amerikanische, und das bei einer Wachstumsrate von 25 Prozent. Da auch Ubisoft und Atari der ISFE angehören, ist ihre Verkaufspolitik nicht erklärbar.

OnlineWelten: Welche Aktionen/Vorhaben sind eurerseits noch geplant?

Michael: Wir haben in einem Brief jedem der betroffenen Herausgeber unser Anliegen mitgeteilt. Bedauerlicherweise erhielten wir darauf keine Antwort, deshalb werden wir diesen Brief veröffentlichen. Ein offener Brief an die Publisher, sodass jeder Mitarbeiter der Publisher ihn lesen kann.

OnlineWelten: Dank für eure Zeit! Sobald es etwas Neues gibt, werden wir natürlich wieder drüber berichten.

Falls ihr an der Aktion teilnehmen wollt, solltet ihr die offizielle Seite dieser Initiative besuchen.
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Kommentare

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  • 09.06.2008 - 09:24 Uhr Valve

    ergo müsste man alle europäischen steam kunden dazu
    zwingen, keinen einzigen € mehr auszugeben...

    die leute dort sitzen am längeren hebel,und den meisten
    usern ist es sowieso scheissegal.

  • 08.06.2008 - 20:40 Uhr Nocturnis

    Heutzutage gilt es als "erwachsen" und "aufgeklärt",
    wenn man davon ausgeht, dass ohnehin jede Initiative
    zum Scheitern verurteilt ist. Bei aller Verdrossenheit
    wird aber vergessen, dass Taten die Welt bewegen -
    keine Worte ;)

  • 07.06.2008 - 23:55 Uhr Alex

    hmm, aber sie verkaufen mehr Spiele in $$$ als ich €€€
    und das möchte die Petition ja ändern ^^

  • 07.06.2008 - 14:15 Uhr Valve

    ändern wird die petition auch nix.

    warum sollen die weniger dollars kassieren wenn man in
    € fast doppelt so viel einheimsen kann.

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